Böse Viren und böse Mächte

 

Zwei prophetische(?) Romane im Vergleich

 

Levi Krongolds »VIKTOR« (2017) und Dean Koontz »Die Augen der Finsternis«. (1981)

 

Ganz aktuellen Bezug haben Krongolds und Koontz Dystopien durch die aktuelle Viruspandemie.

Während Koontz Virus als Wuhan 400, vorher Gorki 400, die aus amerikanischer Sicht böse Achse des Ostens als Verursacher benennt und sich aktuelle Kommentatoren in Spekulationen überschlagen, ob dieser Roman Vorlage für die derzeitige Epidemie sein könne, so greift Krongold weiter in die Zukunft. Weite Teile Europas wurden infolge einer weltweiten Wirtschaftskrise mit Russland und China zur Tuanti Sojus (TUS) zusammengeschlossen. Die Herrschaft hat ein internationales Konglomerat von Lebensmittelkonzernen übernommen, die bis tief in die Privatsphäre hineinregieren. Vorwand dazu liefert eine Virusepidemie durch das rätselhafte ZOGA Virus, welches Anlass zu einer Massenimpfung mit einem manipulierten Impfstoff führte. Dieser Impfstoff schleicht sich in die Erbsubstanz ein und markiert das jeweilige Individuum, welches so leicht durch öffentliche Sensoren detektiert werden kann.

Koontz als Vorhersage, was vor Corona geschah und Krongold als Prophetie, was daraus folgen wird?

Mag sein. Aber dennoch sind beides lediglich dystope Romane. Wobei Kootz sich abgelatschter Horrorklischees bediente, die heute dem Leser lediglich ein Gähnen hervorlocken können, abgesehen von zusammenfabulierten parapsychologischen Fähigkeiten eines kleinen Jungen, die die Handlung immer weiter in Absurdität und Ungereimheiten verkommen lassen. Lektüre, wenn man nichts anderes mehr hat, was mehr Inhalt verspräche. Nun mag dies angesichts des Alters des Romans, dessen Erstausgabe bereits fast 60 Jahre und damit in die Zeit des kalten Krieges zurück reicht, verzeihlich erscheinen.

Krongolds Roman versucht sich demgegenüber mehr an die Realität zu halten oder Vorgänge, die als wahrscheinlich gelten können. So ist das ZOGA Virus nicht der Mittelpunkt der Erzählung, sondern die gesellschaftliche Folge, die dieses nach sich zieht. Krongold greift dabei Tendenzen auf, die sich auch 2017 bereits abzeichneten. Digitalisierung als Mittel der totalen Überwachung, die schließlich in eine Diktatur von Konzernen führt. Obwohl die Zeichen schon damals zu deuten gewesen sein sollten, will es heute die breite Öffentlichkeit immer noch nicht wahrhaben. Ein wenig belustigt bei Krongolds Vision, dass sich die USA aufgrund innerer Zerwürfnisse nahezu zerlegt haben, was wie ein früher Fingerzeig auf Trump und die sozialen Unruhen anmutet.

Der Umbau der Welt in eine Konzerndiktatur, die den Bürger zum funktionierenden und widerspruchslosen Nutzvieh degradiert, wird nun durch eine kleine Gruppe von ausgemusterten Querdenkern bekämpft, die sich der staatlichen Übermacht entgegenstellen und dabei auf einen Kommunikationsweg setzt, der jenseits der digitalen Netzwelt existiert. Das ist das Geheimnis von »Viktor« und gleichzeitig eine Anweisung für den Widerstand, der jetzt bereits zu entwickeln wäre, wenn wir dem im Roman aufgezeigten Schicksal entgehen wollen.

Wer sozialkritische Prophetie mag, liegt mit diesem Roman richtig.

(J.Gutman)

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