Schreibblockade

Die Diagnose würde "Schreibblockade" heißen.

Also, ich hätte dann jetzt eine Schreibblockade. Zumindest liegen in meiner Schublade angefangene Manuskripte, teilweise schon seit vielen Monaten und es will mir nicht recht einfallen, weiter zu schreiben. Ein Zustand, den ich sonst eigentlich nicht kannte.

Genaugenommen, hätte er mich früher gar nicht gestört, denn schon immer lagen angefangene Manuskripte in meiner Schublade, manchmal jahrelang. Es hat mich nie gestört. Weshalb stört es mich jetzt?

Weil ich glaube, ich sei Schriftsteller geworden, deshalb.

Ein merkwürdiger Gedanke, ein eitler Gedanke. Bin ich Schriftsteller, weil ich etwas geschrieben habe? Weil ich mich plötzlich in Kreisen bewege, die mit gewichtiger Miene die Ausschwitzungen ihres Schreibwerkzeugs verlesen?

Weil es Bücher gibt, die auf den gängigen Internetseiten registriert sind, auch wenn kaum jemand davon Notiz zu nehmen scheint?

Oder bin ich einfach nur an einem Punkt angekommen, wo mir plötzlich bewusst wird, dass ich eigentlich kein Schriftsteller bin, sondern nur ein schreibender Laie?

Oder weil sich meine gehegte und gepflegte Selbstlüge, irgendetwas sei wichtig an dem, was ich produziert habe, wichtig nicht nur für mich, sondern auch für andere, sogar so wichtig, dass sie mich auf ein Podest heben würden, auf einen goldenen Sockel, so dass ich wüsste, ich bin wer?


Nein, ich habe eine Schreibblockade, weil ich verführt worden bin. Weil ich korrumpiert worden bin. Weil mir eingeredet wurde, dass ich mich verändern müsse, um Erfolg zu haben, Erfolg, den man in Gold messen kann, in Zahlen berechnen. Denn so wie ich sei, so sei ich eben nicht perfekt, so könne es nicht gehen. Sie wollten mich klein machen, indem ich zu Kreuze krieche vor ihrer Wirklichkeit, die sie mir predigen, damit sie sich selbst groß finden dürfen. Ich sollte mich anpassen, mich an ihren Stil gewöhnen, um von ihnen geliebt zu werden, um von ihnen gefressen zu werden, verschlungen, wie die Hyänen das Aas verschlingen, ohne dass es ihnen aufstößt, ohne dass ihnen meine Worte, meine Gedanken Unbehagen bereiten.


Ich solle mich klein machen, damit ich mich groß fühlen dürfe, wenn sie mir aus der Hand fräßen und wenn sie mir aus der Hand fräßen, dann würde ich mich wieder aufgeben müssen, damit sie mir weiter aus der Hand fräßen und meine Ausscheidungen zu dem Dünger ihrer Beete machen können, wäre ihr Sklave geworden oder der Sklave meiner eigenen Eitelkeit, meiner Großmannssucht.


Oh ja, sie würden mich lieben, solange ich ihnen gefalle und mich ihnen unterordne, unkenntlich gemacht, verstümmelt zu einer grauen Masse ohne Gesicht. Ein Gesicht das ebenso geliehen wäre, wie die Cover und der Inhalt

meiner Bücher, geopfert dem Gott der Einfalt.


Deshalb habe ich eine Schreibblockade, weil ich mich selbst verloren habe.

Es gibt nur einen wirklichen Weg zu schreiben. Still sein und lauschen, während das Ich schweigt.







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