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Nur ohne meine Lektoren!

Zu Beginn gleich zwei Geständnisse: Erstens: Ich hatte schon immer ein Problem mit der Rechtschreibung, sie interessiert mich einfach nicht.


Zweitens: Ich habe als Belletristikautor so ziemlich alle Fehler gemacht, die man machen kann.

Weshalb ich inzwischen der Überzeugung bin, sich als »verlagsfreier« Autor keinem Lektor anzuvertrauen, will ich im Folgenden darlegen.

Meinen ersten Roman schrieb ich aus reiner Langeweile. Nachdem das Skript fertig war, stellte sich natürlich ein Glücksgefühl ein. Wow! Über 300 Seiten! Voller Stolz sah ich mich bereits in die Charts der Bestseller aufgenommen. Ich denke, dieses Gefühl kennt jeder Autor. Ein Höchstmaß an Realitätsfremdheit gemischt mit Selbstüberschätzung. Doch wie das Werk nun in den Buchhandel bekommen?

Als ehemaliger Sachbuchautor kramte ich die Telefonnummer meines damaligen Buchagenten wieder hervor. Wie erstaunt war ich jedoch, als dieser entschieden ablehnte mein Werk anzubieten. Er hatte es noch nicht einmal gelesen! »Belletristik? Vergessen Sie es!«

Nach Tagen der schriftstellerischen Depression stellte sich Trotz bei mir ein. Okay, dann mach ich es eben selbst! Gesagt, getan. Ein online Druckverlag war schnell gefunden. Druckkosten? Im Rahmen. Verpflichtungen? Keine. Vorleistungen sonst, auch nicht. Nur das Bankkonto angeben, um den Geldsegen zu empfangen!

Das klang gut. Allerdings biss ich mir bereits an der Druckvorlage wochenlang die Zähne aus. Die Umformatierung machten mich zum erklärten Feind meines blöden Textverarbeitungsprogramms.

Doch das ständige Umformatieren und Ausbessern von ungewollten Änderungen führten zumindest dazu, dass ich mehrere offensichtliche Schreibfehler, die vorher übersehen worden waren, ausbesserte. Endlich war das Manuskript hochgeladen, ein Cover mittels Grafikprogramm zusammengeschustert, das Werk mit einer ISBN versehen. Doch, oh weh. Niemand wollte es kaufen.

Wir leben in einer modernen Welt. Bücher sind out. Also ein ebook erstellt.

Ich will nicht mit dem Verlauf langweilen, den wird jeder, der ein Manuskript auf diese Weise veröffentlicht kennen. Mit einem Wort, auf die Bestsellerlisten schaffte es das Werk nicht. Auch die Ausgaben für die selbst angekauften Exemplare haben sich nun erst nach über 10 Jahren langsam ausgeglichen.

Schriftstellern macht dennoch Spaß.

Ein zweites Buch folgte. Nach Studium verschiedener online Besserwisser nach dem Motto: Wie erstelle ich einen Bestseller?, war mir klar, ich muss professioneller werden. Insbesondere da das zweite Buch sogar eine freundliche Rezension erhalten hatte, die aber mit dem Satz endete: »Etwas störend fand ich die vielen Rechtschreib- und Formatierungsfehler.«

Dumm gelaufen! Insbesondere, da mir diese selbst nach mehrfachen Kontrollen nicht aufgefallen waren. Aber ehrlich gesagt, hasse ich die Nachbearbeitung meiner Texte, wie überflüssige Deutschhausaufgaben.

Das Manuskript wurde also einem Korrektor vorgelegt, der in der FU auf seine Tätigkeit hingewiesen hatte und recht preisgünstig war. (Unter 1 € pro Seite). Da das zweite Buch bereits fast vierhundert Seiten an Umfang besaß, ist leicht auszurechnen, was ich berappte. Der korrigierte zwar, oder überließ es mehr oder weniger seinem Wordprogramm, es fanden sich hinterher aber immer noch Fehler, die ich selbst entdeckte. Ein Anruf dort ergab folgende Auskunft: »Für den Preis könne er nur eine Stufe I Korrektur anbieten. Wenn es noch genauer sein solle, dann müsse ich es nochmals einreichen«. Spinnt der?

So beschloss ich, das Manuskript noch dreimal durchzulesen, was selbst bei einem so gelungenem Werk wie diesem :-) eine Tortur ist.

Die Gesamtkosten der Herstellung beliefen sich nun bereits auf knappe 500 €, ohne, dass überhaupt nur ein Exemplar verkauft war.

Der Mensch neigt dazu, Fehler, die er macht, nicht zu korrigieren, sondern noch einmal verstärkt zu wiederholen.

Bei meinem nächsten Manuskript musste es nun bereits ein Lektor sein. In diesem Falle möchte ich gendergerecht: Lektorin, sagen, denn das ist von Bedeutung. Nach der gewerblichen Korrektur des Machwerkes, wieder 500 €, bot sie mir ihre Dienste für sage und schreibe 4 € pro Seite an. Das wären gute 2000 € gewesen. Ich bin zwar auch keine Leuchte in Mathe, aber selbst mir wurde das bei den fehlenden Einnahmen aus meinen vorherigen Veröffentlichungen unheimlich. Also sollte es nur ein »Gutachten« für 500 € werden. Das kam auch, war ungefähr so aussagekräftig wie ein Horoskop, und hätte dazu führen sollen, 4000 € locker zu machen, um alles nochmals neu zu schreiben, weil sie nicht mit der Protagonistin »mitfühlen« konnte. Aus Spaß und Neugierde beauftragte ich einen männlichen Lektor, der dies Problem nicht hatte, dafür aber andere Dinge bemäkelte. Auch hier sollte dem Gutachten eine Beauftragung im Wert von circa 4000 € folgen.

Ich lehnte dankend ab – und veröffentlichte so wie es war.

Inzwischen hatte ich Gelegenheit den »Markt« der Autoren-Berater ein wenig kennen zu lernen.

Haie in einem Fischtisch!

Ganz im Gegensatz zu meinen Erfahrungen im Ratgeberbereich, wo sich niemand für meine Unlust Kommas richtig zu setzen interessierte, noch für meinen Satzbau, sondern dies im Hintergrund stillschweigend und für mich kostenlos erledigt wurde, hat sich im Belletristikbereich eine richtige Industrie entwickelt, die mit vollmundigen Versprechungen ahnungslose und naive Autoren ausnimmt. Das Hauptargument ist immer: Ein fehlerfreies durchlektoriertes Manuskript hat mehr Chancen bei den Verlagen. Das ist richtig und falsch zugleich.

Es ist richtig, weil die Verlage bei der Flut der »Bestseller« Manuskripte durch Autoren wie mich und dem Sparzwang, die kostenträchtige Korrektur- und Lektoratsarbeit outsourcen und damit freie Lektoren (ist keine geschützte Berufsbezeichnung) beauftragen, deren schlechte Bezahlung dazu führt, dass sie Berge von Manuskripten in kürzester Zeit durcharbeiten müssen. Eine solche erzählte mir selbstherrlich, wenn sie auf den ersten beiden Seiten mehrere Schreibfehler fände, lege sie das Manuskript einfach weg und empfehle es nicht.

Kann man verstehen wollen oder auch nicht. Ich hätte zumindest die Bedenken, dass dann der ein oder andere interessante Text vorzeitig seinen Weg in Richtung Papierkorb findet.

Außerdem entledigen sich die Verlage auf Kosten der Autoren einer kostenträchtigen Tätigkeit, die sie eigentlich selbst leisten müssten, nämlich ein Manuskript selbst zu bearbeiten, bis es druckreif ist. Dies wiederum ist eine Folge der Manuskriptenschwemme.

Auf diese Weise hat sich um die armen Schreibteufel (Autoren) inzwischen ein lukrativer Markt entwickelt. Hier finden erfolglose Autoren eine weitere Einnahmequelle, indem sie für viel Geld und gute Versprechungen nur noch die Texte anderer bearbeiten. Von Vorschussverlagen will ich hier gar nicht reden.

Die Facebookseiten quellen über vor entsprechenden Angeboten, die sich recht hartleibig halten, da das gemeinsame eigennützige Credo: "Nur mit unserer Hilfe hat der Autor eine Chance überhaupt gesehen zu werden", hochgehalten wird.

Im Einzelfall mag das durchaus stimmen, aber selbst wenn ein Manuskript von einem Verlag angenommen wird, heißt das für den Autor noch lange nicht, dass er daran etwas verdient, oder gar die vorangehenden immensen Kosten jeweils wieder ausgleichen kann.

Und außerdem, gestand mir besagte Lektorin: Die meisten gedruckten Manuskripte finden ihren Weg unter der Hand über Bekannte und entsprechende Empfehlungen in die Verlagswelt.

Als hätte ich es nicht geahnt!

Fazit: Ich pfeife auf die Ratgeber. Das ist wirtschaftlicher, auch wenn die Eitelkeit nicht durch einen Verlagstitel, sondern nur (?) im Selbstverlag befriedigt wird. Und ich finde meine Texte, auch nach vielen Jahren, immer noch gut!

(Foto janeb13, pixabay) (Levi Krongold)

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