Nachgefragt: Wie viel "ICH" steckt in deinen Texten, wie viel Handwerk und Fantasie?

Aktualisiert: Jan 7

Ein Besuch am Hang von Markus Werner und Ausflug in die Zukunft meines neuen, noch fernen Werkes „Sonntag“ [dmf]



[…] Ich habe keine Eile, mich dem Tag zu öffnen und schlage die nächste Seite von »Am Hang« auf, ein abgegriffenes Büchlein mit Eselsohren und handschriftlichen Markierungen. Markus Werner nimmt mich gefangen. Seine herausragenden Formulierungen, die klugen Inhalte und eine unterschwellige Spannung sind bezeichnend für seine erzählerische Kunst.

Meine Ausgabe von Werners Roman ist eine alte, vielgelesene – im Jahre 2006 in fünfter Auflage erschienen –, aber in meinem Regal ist sie neu; die Unterstreichungen und Knicke nicht von mir. Es macht mir nichts aus, im Gegenteil. Das Buch, das über den Büchertausch des Nachbarschaftscafés zu mir gefunden hat, verströmt eine Ahnung von Geschichten neben und hinter der offensichtlichen. Durch wie viele Hände mag der Roman gegangen sein, was bewog den Lesenden, sich von ihm zu trennen? Die Vision eines älteren Mannes drängt sich mir auf, er hält das Buch mit zwei Händen, in seiner rechten klemmt einen gespitzter Stift, bereit, den kraftstrotzenden Strom des Autors mit seinen eigenen Gedanken zu mischen. Die nahezu unleserlichen Kommentare am Rand des Textes fesseln mich fast so sehr, wie die Handlung, ich versuche die Worte zu entziffern, frage mich nach der Bedeutung der bruchstückhaften Unterstreichungen:

… als hätten Sie alles im Griff, jetzt klingt es menschlicher / Zu zahm, … rief so

laut, … Zu zahm! / … Mann stimmt etwas nicht, … kein gemütlicher Kumpan / …,

dass Hass nicht töten muss / Wie wäre es mit etwas Käse? / seelenhygienisch

Fasziniert beginne ich, mir aus den Markierungen und Kommentaren ein Bild zu formen. […]


Die Frage, ob sich ein Schriftsteller in seinen Büchern spiegelt, er/sie eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet, bzw. auf fremde zurückgreift, ist wohl eine der meistgestellten. Sogar mir wurde sie gestellt. Meine Antwort darauf lautet stets „alles ist echt, nichts ist wahr“.


Kaum gedacht und in die Finger diktiert, durchläuft jede Szene einen Prozess der mit Umformulierungen und Plot-Anpassungen einhergeht, und an dessen Ende die Figuren des Geschehens eigene Gedanken hinzufügen. Bin das noch ich, die Autorin, eine Handwerkerin mit Fantasie?


BTW: Habe ich „Am Hang“ gelesen, dort Markierungen vorgefunden und gefällt mir der Stil des Autors? Was meinen Sie?


www.danielamfiebig.de

#AmHang #MarkusWerner

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