Mit oder ohne Lektorat?“

Teil 2: Eine Entscheidungshilfe

Diskussionen vom Sinn und Unsinn eines Roman-Lektorats sind in Autoren-Foren Dauerbrenner. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander und werden oft vehement verteidigt. Einige sagen, ein professionelles Lektorat ist ein unbedingtes Muss, weil der Blick einer außenstehenden Fachkraft unersetzlich ist; andere meinen „brauch ich nicht, kann ich alles selbst“.



Ich gestehe: Ich bin unsicher. Unsicher, ob sich die Investition eines kleinen Vermögens für ein professionelles Lektorat wirklich lohnt; unsicher, ob ich es mir leisten kann, darauf zu verzichten.


Die Entscheidung pro würde mir leichter fallen, wenn ich:

a) die Kosten aus meiner Portokasse begleichen könnte;

b) das Wort „Überarbeiten“ nicht in meinem Wortschatz vorkommen würde.


Dagegen sprechen:

c) Mein Kontostand;

d) zahlreiche Bücher, die im Impressum „Lektorat: xy“ stehen haben.


Denn Fakt ist, dass ein Lektorat nur Empfehlungen und Anregungen gibt, denen der Autor folgen kann, aber nicht muss.


Wenn diese aber dann doch nur fleißig ignoriert werden (die weiteren Gründe für – freundlich formuliert – „mit Brüchen arbeiten“ seien hier mal außen vor gelassen), warum also nicht gleich nur ein Selbstlektorat? (Ungeachtet der Aussage einiger Schlaumeier, dies wäre unmöglich). Kann ich das überhaupt?


Vor der Beantwortung dieser Frage steht die folgende:

Wie oft im Schnitt überarbeite ich mein Manuskript?

a) Wozu überarbeiten? b) 0-5 mal c) <12 mal oder d) Ich eifere John Irving nach.


Die Ergebnisse der Antworten a und b: Sparen, sparen, sparen, denn Lektorate sind teuer! c): Guter Ansatz, aber meinst du wirklich, das reicht? d) Passt!


Ich wähle natürlich die Antwort D, denn das Überarbeiten macht mir Spaß. Ja, wirklich!


Weil ich aber immer noch unsicher bin, ob meine Fähigkeiten für ein Selbstlektorat ausreichen, habe ich die Probe aufs Exempel gemacht. Ich gab einen Romanauszug in der Rohfassung ins Profi-Lektorat und verglich das Ergebnis mit der Version, die ich bereits bearbeitet hatte (also noch nicht mal ü-ber-arbeitet).


Das Ergebnis: Die meisten vom Lektor monierten Punkte hatte ich ohne seinen Fingerzeig erkannt, zwei seiner Empfehlungen wollte ich nicht übernehmen, weil sie die gewünschte Aussage verfälscht hätten, und zwei fehlerhafte Stellen hatte ich übersehen.


Eine mir Mut machende Quote und ein „Test“, der die Entscheidung von „Mit oder ohne Lektorat?“ sicher zu stützen hilft.


Apropos (un)sicher: Das bin ich selbst aber leider trotzdem noch. Entsprechend kann meine persönliche Antwort auf die Lektorats-Frage also nur lauten: Ja, aber.


Ja, es geht auch ohne Profi-Lektorat, wenn man wirklich-wirklich viel Arbeit und Zeit investiert, um viele neue Blickwinkel einnehmen zu können, und wenn man zudem auch noch ein Händchen für Logik, Stolperer und Unebenheiten etc. hat;

aber …, siehe oben: „der Blick einer außenstehenden Fachkraft ist unersetzlich“.


PS: Dieser Beitrag wurde weder lektoriert noch korrigiert. Autsch.


www.danielamfiebig.de

#Lektorat #Textarbeit

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