Kennen Sie LiSA? Mein „Bestseller von morgen“

Ich beteilige mich nur selten an Ausschreibungen, aus unterschiedlichen Gründen, aber vor ein paar Monaten war ich dann doch an einer Ausschreibung interessiert:


Das Analyse-Tool LiSA (Literatur Screening & Analytik) der QualiFiction GmbH wollte mittels eines Roman-Wettbewerbs den „Bestseller von morgen“ finden.

Was mich lockte war nicht nur die Aussicht, dass als Gewinn ein Vertrag mit dem haus-eigenen Verlags winkte, sondern auch, dass alle Wettbewerbsteilnehmer im Anschluss eine Analyse ihres Romans erhalten sollten.


Ich war neugierig, wie ein computerisiertes Auswahlverfahren meinen Text bewerten würde und sandte das Manuskript meines Familienromans „Der Wert des Kois“ ein, das zu diesem Zeitpunkt weder lektoriert noch korrigiert war.


Nach dem Ergebnis vor einiger Zeit erhielt ich nun die Analyse von LiSA. Vorab: Ich bin nicht unter den Gewinnern, doch bescheinigte mir der Analysebogen, dass mein Roman laut Auswertungen „ein hohes Leserpotenzial“ habe und in die Endbetrachtung ge-kommen war. Immerhin.


Das Feedback zu meinem Manuskript enthält – wie nicht anders erwartet – natürlich nur einen Teil der Überlegungen und Informationen, die die Software LiSA liefert, fällt aber dennoch auffallend mager aus:


Auf zwei DIN A4-Seiten verteilen sich eine wenig aussagende Einleitung, zwei Grafiken (die allein 50% des gesamten Platzes einnehmen) und drei eher allgemeingültige Tipps zu meinem Text (zusammen 1/3 Seite). Eine Erläuterung der Grafiken fehlt leider. Aus den Informationen auf der Website von QualiFiction puzzelte ich mir mühsam eine Aussage zurecht, deren Inhalt selbstredend nicht bestätigt ist.


Zu den Grafiken:


1. Die aus einzelnen Wörtern bestehende, bunt gemischte Grafik (Bild1) fällt unter das Schlagwort Themenanalyse und besteht aus den fünfzig, im Manuskript am häufigsten genutzten Wörtern. Naturgemäß stechen die Namen der Charaktere und bedeutungs-gleiche Ausdrücke hervor (bei „Der Wert des Kois“ liegt ihre Quote bei rund 30%).

2. Die Grafik Sentiment-Verlauf fällt unter den Begriff Stimmungsanalyse. Meine „Kurve“ bewegt sich im Minusfeld „Grundspannung“ heftig auf und ab und tangiert einige Male das darunter liegende Feld „Drama“. Auf der Website fand ich den Hinweis, dass eine Kurve möglichst im Minusfeld liegen sollte, was bei mir gegeben ist. Man beachte: Über Null, also im Plusfeld, liegt der Bereich „Harmonie“!

Der erste der drei „ausgearbeiteten“ Tipps bezieht sich auf Motive und Themen und ist zu allgemein, um hilfreich zu sein. Auch drängt sich mir der Gedanke auf, dass LiSA nicht in der Lage ist, Subtext zu erfassen, da nicht erkannt wurde, das mein Roman oberflächlich betrachtet zwar mehrere Fragen berührt, die aber alle ein übergeordnetes Thema be-handeln.


Der zweite Hinweis betrifft Figuren und ihre Handlungen. Auch dieser geht nicht in die Tiefe, sondern erklärt lediglich wie Figuren entworfen werden sollten und warum.


Der dritte Punkt zog meine Aufmerksamkeit besonders auf sich. In der Selfpublisher-Bibel von Matthias Matting ist in einem Artikel über LiSA zu lesen:

„Möchten Sie Ihren Text ,fit für den Bestseller´ machen, bekommen Sie für dieses Ziel genauso Anhaltspunkte wie dafür, Ihren Text zu einem möglichst originellen, möglichst weit vom Main-stream entfernten Kunstwerk zu entwickeln.“

Entsprechend widersprüchlich empfinde ich den Tipp, meinen „eher außergewöhn-lichen Sprachschatz“ zu überprüfen und „exklusive Wörter durch bekanntere Ausdrücke zu ersetzen“ – kennzeichnen doch Wortwahl und Ausdruck gerade die Individualität eines Autors/einer Autorin.


Mein Fazit:


Das mir vorliegende Feedback zu „Der Wert des Kois“ konnte mir keinen ausreichenden Eindruck vermitteln. Unklar ist mir weiterhin, ob LiSA nur für die Analyse eines mög-lichen Bucherfolgs herangezogen werden kann, oder für eine Werküberarbeitung nützlich ist.


Gemäß QualiFiction setzt LiSA dort an „wo die Arbeit des Lektors noch nicht begonnen hat“, demgegenüber steht, dass ein bereits ausgearbeitetes Manuskript eingereicht werden muss. Die komplette Einzelanalyse ist für 49 Euro zu haben. Interessant finde ich das Angebot „Kombination aus LiSA und Lektoren-Unterstützung“, das 299 Euro kostet, aber mit Blick auf die gängigen Lektorats-Kosten noch als erschwinglich ange-sehen werden kann. Stellt sich mir nur die Frage, wie weitreichend diese „individuelle Beratung durch eine erfahrene Lektorin“ dann auch ist. [dmf]


„Der Wert des Kois“ erscheint am 1. Mai 2020

www.danielamfiebig.de


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