Eine Zensur findet doch statt, aber wir sind nicht verantwortlich!

Ich hatte gestern berichtet, dass einige Cover meiner Veröffentlichungen bei epubli als Jugendgefährdend eingestuft und ausgeblendet wurden. Das hat mich zu der Frage geführt, wie weit es mit der Zensur in Deutschland schon gediehen ist? Angesichts der Löschungen von "unliebsamen", weil kontroversen Beiträgen in den Internetmedien, stellt sich mir seit langem der Verdacht, dass durch diese Aktivitäten die Meinungsfreiheit angegriffen wird, zugunsten der Meinungshoheit bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. Dem hieße es, sich auch als Autor entschieden entgegenzustellen, sind wir doch der Freiheit in Wort und Schrift verpflichtet. (Oder nicht?) Doch wie "gefährlich" sollte ein kleiner und unbedeutender Autor wie ich für die Gesellschaft sein?

Nun, das Rätsel ist schnell gelöst, denn heute bekam ich die Antwort des Verlages, der übrigens zu der Holzbrinckgruppe gehört, zu denen auch der Tagesspiegel, die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung gehören.

Ich zitiere: "Gemäß Jugendmedienschutzgesetz (JMStV) sind wir dazu verpflichtet, jugendgefährdende Inhalte in unserem Shop auszublenden. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass Kinder und Jugendliche in Büchern schmökern, die für sie inhaltlich unangemessen sein könnten. Unsere IT-Abteilung hat daher in den vergangenen Monaten ein Tool zur Umsetzung der Jugendschutzrichtlinien in unserem Shop entwickelt, welches Publikationen anhand von bestimmten Schlagwörtern automatisch auf potenziell jugendgefährende Inhalte überprüft. Da es sich hierbei um einen vollautomatisierten Prozess handelt, können wir leider nicht ausschließen, dass es auch mal zu einer fehlerhaften Einstufung kommt. Wir werden wir das Tool aber immer weiter optimieren, um die Fehlerquote möglichst gering zu halten.

Zugleich können wir jederzeit die Einstufung manuell ändern und genau das haben wir in Ihrem Fall auch getan, d.h. Ihre Publikation wird nun wieder uneingeschränkt im Shop dargestellt."

Also war es doch nur ein dummer Algorithmus, der da waltete. Was heißt hier nur? Sollen in Zukunft derartig einfältige Programme über Präsenz und nicht Präsenz von Menschen im Netz bestimmen dürfen? Wie wird man sich gegen derartige Eingriffe in die Grundrechte durch fehlerhafte und unzureichend durchdachte Programme schützen können? Und wer ist letztlich verantwortlich dafür zu machen? Das gäbe Stoff für einige Romane.

Was mich jedoch noch mehr irritiert, als die Tatsache, dass wir uns zunehmend mit Kontrollprogrammen konfrontiert sehen, die uns bewerten, nicht zuletzt unsere Kreditwürdigkeit, Lebenserwartung, politische Ausrichtung, Kaufgewohnheiten und Partnerschaftswünsche, ist, dass wir es klaglos hinnehmen, ja es offensichtlich als selbstverständlich erachten, bewertet oder zensiert zu werden. Auffällig ist das toxische Gemisch aus behördlicher Anstrengung, moralische Normen zu setzen und der Digitalisierung, mit einem Ergebnis, welches in den meisten Fällen dieses Ansinnen konterkariert. "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert."

So wird unausweichlich wahr, was Huxley bereits vor Jahrzehnten vorausgesagt hat. Als sei es ein dem Menschen innewohnendes Bestreben, unseren kurzen Aufenthalt auf dieser Erde mit maximalem Unannehmlichkeiten zu "würzen."

Es ist nicht viel Fantasie notwendig, um vorauszusehen, wie es enden wird. Wir bewegen uns auf eine neue Art Diktatur zu, die digital sein wird. Und wir werden es lieben, uns knechten zu lassen. Arme Menschheit!

Übrigens hat nun der epubli Verlag bei mir inzwischen nur noch 1 von 3 möglichen Sternchen. "buy- buy!"

9 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen