Dean Koontz – Die Augen der Finsternis

Aktualisiert: Juli 24

Ein Verriss

Aufdeckung einer Coronaverschwörung oder plumper Werbegag von Ullstein?

Um es gleich vorweg zu sagen, der Roman von Dean Koontz, „Die Augen der Finsternis“, lohnt sich nur für Leser, die keine großen Ansprüche an die Qualität ihrer Literatur stellen.

Die schöne und taffe Tina Steffens trauert um ihren Sohn Danny, der bei einem Busunfall ums Leben gekommen sein soll. Seine Leiche durfte sie niemals sehen, (geschweige denn identifizieren), doch geisterhafte Vorgänge in ihrem Haus lassen vermuten, dass er noch leben könnte. Die Türen klappern, Radios schalten sich selbständig ein und aus, kurz der ganze aus drittklassigen Horrorfilmen bekannte Schmonzes. Sie managt gerade Las Vegas schönste Show, die sie natürlich selbst entworfen hat. Dort trifft sie auf den Anwalt Stryker, der sofort ob ihrer schönen Erscheinung ein Auge auf sie wirft. Sie erzählt ihm von dem häuslichen Spuk und überredet ihn, ihr zu helfen, ihren Sohn Danny exhumieren zu lassen, damit sie sicher weiß, dass er tot ist. Kurz darauf fliegt ihr Haus in die Luft und beide befinden sich auf der Flucht vor einer Geheimdienstorganisation, die verhindern will, dass sie Dannys Grab finden.

Kurz und gut, einige James Bond Abenteuer weiter bemerken sie, dass Danny übersinnliche Fähigkeiten hat und den Spuk selber veranstaltet, um sie zu sich zu führen. Er ist von bösen Wissenschaftlern entführt und in einem Geheimversteck Opfer virologischer Versuche gegen einen von den hinterhältigen Chinamännern erzeugten Virus, gegen den sich die armen USA wehren müssen. Dabei gehen sie etwas weit, indem sie den armen Jungen immer wieder mit dem Virus infizieren, denn Danny ist in der Lage Antikörper gegen den Virus zu produzieren, der alle sonst Befallenen innerhalb von Stunden an einer Hirnerweichung dahinsterben lässt. Zum Schluss befreien Tina und ihr Anwalt Danny, der telepathisch begabt wahlweise Türen auf oder zu gehen lassen kann, Pistolen an oder abschalten und Punkte auf Landkarten erscheinen lässt. Die Bösen sterben, wie es sich gehört und das Buch schließt mit der Erkenntnis: „Die waren richtig böse, Mom. Ist schon in Ordnung!“ und „Töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit.“ Eine fürwahr amerikanische Erkenntnis.

Ich habe mich bemüht, dass Buch ab Seite 20 weiterzulesen, obwohl es mich langweilte aufgrund des mangelhaften Plots, der unterirdisch naiven Dialoge und schriftstellerischen Minderleistungen. Roman auf Pennäler-Niveau.

Ich wollte wissen, ab welcher Seite er endlich die Wahrheit hinter den Verschwörungstheorien zur Coronaentstehung offenbaren würde. Als solche wurde das Buch nämlich in den sozialen Medien hochstilisiert: „Seht ihr, schon 1981 gab es einen Plan, einen bösartigen Virus als Waffe einzusetzen“. Koontz, der sich da noch Leigh Nichols nannte, schien sich mit geradezu hellsichtiger Fähigkeit oder geheimen Hintergrundwissen ausgestattet an diesen Roman gemacht zu haben, um die Verschwörung aufzudecken.

Etwas stutzig machte mich allerdings die Tatsache, dass die Neuauflage im Mai 2020 durch den Ullstein Verlag herausgegeben wurde, also zu der Zeit, als die Coronahysterie gerade am höchsten war. Sehr werbewirksam findet sich auf dem Cover bereits der Hinweis, ob „dieser Thriller den Ausbruch des Coronavirus vorhergesagt“ habe?

Schlauer Plan, der viel Umsatz gebracht haben muss. Mir stellte sich die Frage, wann es das Wort Wuhan 400 überhaupt in den Roman geschafft hatte? Die notwendige ältere Ausgabe erwies sich in der Bibliothek als dauerausgeliehen. Im Internet ploppte immer wieder die Werbung für die neue, revidierte Auflage auf. Kurz, es war nicht dranzukommen. Wenn etwas Anlass zu einer Verschwörungstheorie geben würde, dann das - ein Komplott zwischen Google und dem Verlag. Nur eine Seite beschäftigt sich im Internet (https://www.presseportal.de/pm/133833/4532722) mit der älteren Ausgabe und siehe da, in der waren es nicht die bösen Chinesen in Wuhan, sondern die bösen Russen in Gorki, die dem Virus dem Namen gaben. Im Westen nichts Neues!

Der ganze Roman trieft vor abgedroschenen Klischees. Natürlich ist Tina geschieden und alleinerziehend. Natürlich ist sie eine taffe und emanzipierte Frau mit dem verkannten Talent zu Höherem. Natürlich ist der Ex-Ehemann ein verantwortungsloser Looser, der gerechterweise dann gemeuchelt wird.

Es wird von einem Geheimdienst fantasiert, der so geheim ist, dass ihn selbst der Geheimdienst nicht kennt. Natürlich ist der Vertraute des Anwalts ein Verräter und Mitarbeiter dieses Geheimdienstes. Und natürlich wird McDonalds als kulinarischer Lebensretter mindestens zwanzigmal erwähnt. Armes Amerika.

Dann erscheint wie ein unvorhergesehener Teilnehmer auch noch eine Putzfrau in Tinas Wohnung, die Zeugin des Spuks wird, diesen jedoch nicht erwähnen möchte und somit im gesamten Ablauf der Handlung keine Rolle mehr spielt.

Ein Wissenschaftler, der an Dannys perfider Quälerei beteiligt ist, bekommt in letzter Minute Gewissensbisse und hilft bei der Flucht.

Die USA tun zwar böses, indem sie Danny unnötigerweise mit dem Virus infizieren und dabei verhungern lassen, aber sie tun es aus Notwehr, weil sie sonst gegenüber der Achse des Bösen, die sie logischerweise in Russland, China und Iran vermuten, ins Hintertreffen kämen.

American Angst?

Die Dialoge sind ohne Kraft und Witz. »Tina, meine Liebe, ich möchte dir einen Freund von uns vorstellen… Diese reizende junge Dame ist Christina Evans.«

»Freut mich, Mrs. Evans.«

»Tina reicht vollkommen«..

»Elliot ist mein Anwalt« ,..

»Oh«, sagte Tina. »Ich dachte...« und so weiter.

Oder Sätze, die jedem Lektor das Blut in den Adern gefrieren lassen würden, wie: »Die Kellnerin war rothaarig und hieß Elvira.« Nicht, dass etwas gegen den Namen Elvira zu sagen wäre, aber hat das ein 16 Jähriger geschrieben oder ist diese Stilblüte, von denen es im Roman wimmelt, jemanden zu verzeihen, der: „Romane, die ich unter Pseudonym veröffentlicht hatte (überarbeite d.V.), und jetzt plane, mich zu verbessern!“ in später Erkenntnis zu verzeihen? (in der Widmung. d. V.)

Um es mit einem Satz zu sagen, der Roman enttäuscht den einigermaßen intelligenten Leser auf ganzer Linie und kann getrost in der Buchhandlung bleiben. Ich frage mich immer, welche Kriterien die Verlage eigentlich anlegen, wenn sie Bestseller herausbringen?

Leider zeigt er auch, wie anfällig das Netz für die Verbreitung von Unsinn ist.


Levi Krongold


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