#Anima - eine nicht mehr ganz unwahrscheinliche Liebe

Aktualisiert: 29. Okt 2019

Das neue Buch von Levi Krongold im Gespräch:

#Wenn Du sagst, Du liebst mich -prüfe ob es die Wahrheit ist!#

Interview mit Levi Krongold

(von Suzanne Monteniére)


Sexprobleme?

Ich treffe Levi Krongold nach vier Jahren anlässlich seiner Buchveröffentlichung "#Anima" wieder.


M: Das letzte Mal, als wir uns trafen, das war nach Ihrer Lesung des Romans "Der Tanz der Bienen" in Boitzenburg. Nach dem eher esoterischen Thriller nun Sexprobleme eines alternden Mannes?


K: Man wird nicht jünger, in der Tat, aber mit dem Alter hat das Thema nun weiß Gott nichts zu tun. Eher mit Beziehungsproblemen.


M: Beziehung zwischen Mensch und Maschine?


K: Sowohl als auch. Antrieb für den Roman war für mich die Frage: Warum ist es eigentlich so schwierig mit uns Menschen, einander zu verstehen? Weshalb misslingen Beziehungen so häufig? Weshalb immer wieder diese Streitereien untereinander? Schauen Sie einmal die Diskussionsforen über gesellschaftliche und politische Themen an, schauen Sie sich die öffentlichen Diskussionen um politische Probleme an und vor allem die Konflikte mit Partnern und Bekannten. Immer wieder enden derartige Beziehungen in Streit und Unglück. Warum ist das so?


M: Deshalb sollte man den Menschen durch einen Roboter ersetzen?


K: Wird ja versucht, nicht wahr? Wir scheinen zu fühlen, dass wir selbst fehlerhaft konstruiert sind. Wir genügen unseren eigenen und basalen Bedürfnissen nicht mehr. Wir leiden an unserer Unzulänglichkeit. Die Lösung soll eine Maschine sein, die diese Fehler nicht aufweist. Die zuverlässig ist und unsere Bedürfnisse widerspruchslos befriedigt. Und, die besser ist als wir selbst. Perfekter.


M: Und williger?


K: Genau. Für mich steht im Vordergrund unsere Ich-Bezogenheit. Können Sie Tango tanzen?


M: Ein bisschen, warum fragen Sie?


K: Tango ist ein gutes Beispiel für das Problem. Im Tanz müssen Sie ganz offen sein für die Bewegungen des anderen. Sie müssen alle ihre sensorischen Kanäle öffnen, um sich mühelos dem Partner anzupassen, müssen ganz bei sich und gleichzeitig ganz beim Partner sein. Bedingungslos. Nur dann können sie zu einer Einheit verschmelzen und das Herz des Tangos ausdrücken. Das gelingt meiner Erfahrung nach immer weniger Menschen. Sie können sich nicht bedingungslos hingeben. Sie haben Angst, sich selbst zu verlieren.


M: Deshalb sind Sie jetzt dabei einen Tangoroboter zu bauen?


K (lacht): Kommt vielleicht noch. Nein der Punkt, um den es mir geht, ist: bedingungslose Hingabe. Die Maschine ist dazu verdammt, dass sie selbstlos sein muss, weil sie kein "Selbst" hat. Mir hat es viel Spaß gemacht, die hinter dem Roman stehende Frage am Modell der Beziehung zu einem Roboterwesen zu hinterfragen. Während des Schreibens ist mir einiges über mich selbst, als Menschenwesen klar geworden.

Ich möchte es so zusammenfassen: Auch ein Mensch ist irgendwie nichts anderes als ein programmierter Bioroboter. Recht kompliziert, aber teilweise ziemlich einseitig in seinen Programmabläufen.


M: Das höre ich nicht gerne.


K: Klar, Sie sind natürlich eine Ausnahme.


M: Die Hauptfigur, die Roboterfrau EVA, ist so ganz anders als die üblichen Science fiction Roboter. Gar nicht bedrohlich, aber auch nicht richtig menschlich. Teilweise haben Sie sogar Programmzeilen als Dialog verwendet.


K: Im ersten Anlauf war meine Idee Cesár, die Hauptperson von innen darzustellen aber auch die Robotin EVA von innen. Sie ist zuerst doch sehr eingeschränkt in ihren Möglichkeiten. Ich habe früher ein wenig programmiert, sodass mir die Abläufe vertraut sind. Programme sind unglaublich langweilig. Deshalb habe ich die Innenschau von EVA sehr, sehr reduziert, um dem Text nicht die Spannung zu nehmen. Dennoch. Ich wollte darstellen, was wir eigentlich uns gegenüber haben, wenn wir moderne Kommunikationsmaschinen wie Siri und andere intelligente Lautsprecher in unser Leben integrieren. Wir vermenschlichen sie sofort. Wir nehmen eine Beziehung auf. Wir sind zufrieden, wenn wir den Eindruck haben können, es handele sich um ein echtes Gegenüber. Daran wird viel gearbeitet, diesen Eindruck zu verbessern. EVA wird im Roman auch immer weiter verbessert, weil Cesár natürlich irgendwann gelangweilt ist von deren primären Möglichkeiten. Er will im Grunde einen Homunkulus haben, in Frauenform, ein Frauen-Fake, das ihn nicht anstrengt. Aber er wächst auch daran, weil er beginnt auch sich selbst zu reflektieren.


M: Die echten Frauen im Roman kommen nicht gut weg. Da ist Beatrice, Cesárs Exfreundin, die ziemlich einfältig zu sein scheint. Dann Feministinnen, die sehr schräg drauf sind. Und eine ziemlich konventionelle Silke, die sich an Cesár ranmacht. Haben Sie Probleme mit Frauen?


K (lacht): Das müssen Sie meine Frau fragen. Ich habe früher oder später Probleme mit jedem Menschen. Deshalb bin ich ja auch Schriftsteller geworden. Die Frauenfiguren sind alle, das betone ich, dem echten Leben entnommen, also ziemlich authentisch, auch wenn ich sie natürlich in andere Rollen gesteckt habe. Mir war wichtig, den Gegensatz zwischen der idealisierten Roboterdame und den konflikthaften leiblichen Frauen darzustellen. Aus diesem Gegensatz bezieht der Roman seine Spannung. Aber ich finde nicht, dass Frauen schlecht dargestellt sind. Ich verehre die Weiblichkeit an sich, ich denke, das kommt im Roman auch rüber.


M: Beim Lesen Ihres Romans kam mir der Gedanke, es ist eigentlich überhaupt kein Science fiction, es ist ein Beziehungsroman. Es ist auch kein typischer Männerroman, sondern eher ein Frauenbuch. Es wird sehr viel über Gedanken und Gefühle, Sehnsüchte und Enttäuschungen geschrieben. Wollten Sie keinen Zukunftsroman schreiben?


K: Nein, natürlich nicht. Mir geht es um menschliche Probleme. Außerdem, so zukünftig ist dieses Thema gar nicht. Derartige Roboterinnen gibt es bereits. Wir beschreiben also eher die Gegenwart mit Aussicht auf die nächsten Jahre.


M: Gruselig.


K: Das hängt davon ab, was wir daraus machen. Ich finde es auch inspirierend. Aber ehrlich gesagt, eine echte Frau, die noch versteht, den Tango richtig zu tanzen ist mir allemal lieber als eine Robotin!


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