Die aktuelle Diskussion:

Wieviel "Ich" steckt in Deinen Texten?

Podcast vom 10.03.2020

Voraussichtlich ab 1. April hier online.

 

#Anima

von Levi Krongold

epubli

und

Maschinen wie ich

von Ian McEwan

Diogenes Verlag

Gesprächsrunde mit Inge Beer, Patrizia Strunk, Daniela M. Fiebig und Levi Krongold im Cafe CROSS. Hintergründe, Informationen, Klatsch und Tratsch um das Schreiben von Autoren ganz privat.

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Buchvorstellung:

Levi Krongold: "#Anima"

Als Cesár Valua, ein Informatikstudent sich eine computerisierte Sexdoll anschafft, um sich endlich eine geeignete Lebensgefährtin zu verschaffen, ahnt er noch nicht, in welche Verwicklungen in dies führen wird.

Das Literaturgespräch wird demnächst hier veröffentlicht.

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Lit25

 

Autoren diskutieren mit Autoren

25 Minuten/ Zwei Romane – Das Literaturgespräch.

Mit Johannes Gutmann, Claire Zyga und Levi Krongold

(Auszug aus einem Gespräch vom 11.11.2019)

Haben Sie schon einmal daran gedacht, einen Roboter für Ihren Haushalt zu kaufen?

Sie meinen, das sei doch nur Zukunftsmusik. Nicht ganz. Zwar sind die Entwicklungen im Bereich der Robotik noch verbesserungswürdig, doch in der Literatur, deren Autoren bereits in der Vergangenheit Propheten späterer Entwicklungen waren, sind sie lange angekommen.

Gerade in jüngster Zeit, in der die Ergebnisse der Robotik auch in unseren Alltag einzugreifen beginnen, wird dieses Thema wieder aufgegriffen.

Heute stelle ich Ihnen aus dem Genre, welche nicht mehr den Namen Science fiction verdient, sondern eher mit „Nahe Zukunft“ betitelt werden muss, zwei Romane zu diesem Thema vor.

 

Den Roman: Maschinen wie ich, von Ian McEwan und #Anima von Levi Krongold.

 

Wie wird künstliche Intelligenz, eingekleidet in eine menschenähnliche Maschinen, unsere zukünftigen zwischenmenschlichen Beziehungen verändern?

 

Guten Abend. Ich bin Johannes Gutmann und ich begrüße Sie bei unserem Podcast: Lit25, 25 Minuten/Zwei Romane

Eingeladen habe ich Levi Krongold,...

Levi: Guten Abend

Gutmann: ..und meine Kollegin Claire Zyga, Journalistin und Autorin.

Claire: Hallo.

Gutmann: Claire wird uns ein wenig zu McEwans Buch erzählen. Für seinen Roman, nimmt Levi selbst Stellung.

Levi, Ist das Thema Robotik in der Literatur nicht bereits reichlich abgedroschen, nach Groschenromanen wie Perry Rhodan, Filmen wie „Krieg der Sterne“, „Als die Erde still stand“ und „Her“?

Levi: Ja und nein. Abgedroschen ist die Figur des Robotermonsters. Zumindest in der Science fiction Literatur. Allerdings sind wir offenbar gerade dabei mit Tötungsrobotern diesen Horror zu materialisieren.

Gutmann: In ihrem Roman spielt eine Roboterin EVA eine Rolle, die ganz und gar friedliebend ist. Ist sie ein Pendant zu Adam von McEwan?

Levi: (Lacht). Das ist merkwürdig, in der Tat. Aber ich möchte hier versichern, ich kannte McEwans Roman gar nicht, als ich #Anima schrieb. Meine Korrektorin machte mich hinterher darauf aufmerksam, dass es ein Buch mit einer ähnlichen Thematik gäbe und einem männlichen Roboter.

Aber es liegt nahe, diesen Überrobotern, sozusagen als Urpaar einer neuen menschenähnlichen Epoche, biblische Namen zu geben. Zumindest in unserem Kulturkreis. In Indien hätten sie vielleicht Krishna und Kali geheißen.

Claire: Bei McEvan heißen die Prototypen auch Adam und Eve. Also lag wohl derselbe Gedanke zugrunde.

Gutmann: In der Tat. Levi. In Ihrem Buch ist es ein Student der Informatik...

Levi: Cesár

Gutmann: ..der sich eine Sexdoll nach Baukasten bestellt, weil seine Beziehungen immer wieder scheitern. Ist das nicht ein wenig weit her geholt?

Levi: Ganz und gar nicht. Obwohl ich wusste, dass derartige Modelle bereits in Japan roboterisiert hergestellt werden, war ich bei der Recherche überrascht, wie weit sich mein Wissensstand durch die Realität bereits als überholt erwies. Es gibt derartige Modelle bereits zu kaufen. Wir sprechen also wirklich nicht mehr von Fiction.

Gutmann: Haben Sie derartige Roboterinnnen auch gesehen?

Levi: Roboterinnen nicht, aber die menschenähnlichen Sexdolls habe ich mir in der Tat bei einer entsprechenden Firma angesehen.

Gutmann: Und erworben.

Levi: Da hätte meine Frau wohl etwas dagegen. Nein. Ich fand sie noch nicht so überzeugend, dass ich den Wunsch verspürt hätte, mir eine Gummifrau ins Haus zu holen.

Gutmann: Claire. Sie haben sich McEvans Adam vorgenommen. Wie hat er ihnen gefallen?

Claire: Der Roman, oder der Roboter?

Gutmann: Der Roboter.

 

Claire: In "Maschinen wie ich", geht es um künstliche Intelligenz und darum, wie Menschen und Roboter miteinander klar kommen. Ein erfolgloser Engländer Anfang dreißig namens Charlie Friend steckt sein ganzes Geld in einen von fünfundzwanzig Prototypen, die entweder Adam oder Eve genannt werden. Charlies Adam zieht in der heruntergekommenen Wohnung in Stratford-upon-Avon ein. Im Stockwerk über ihnen lebt die zehn Jahre jüngere Miranda, in die Charlie verliebt ist. Die beiden werden am gleichen Tag ein Paar, als auch Adam einzieht. Beide programmieren Adam teile ihrer Persönlichkeit ein, ohne dem anderen mitzuteilen, welches ihre Präferenzen sind. Deshalb ist das Resultat offen, aber lässt sich sehen. Er ist nicht nur Intelligent, er ist gebildeter als sein Besitzer, loyal und hat Bewusstsein seiner selbst und Gefühle.

Gutmann: Ganz im Gegensatz zu Levi EVA. Eva betont immer wieder, dass sie keine Gefühle habe, obwohl Cesár ihr diese unterstellt.

Levi: Ja, mein Ansatz ist ganz anders als der von McEwan. Während dessen Adam eher dem Klischee des Übermenschen folgt, war mir wichtig zu spiegeln, dass wir es sind, die Roboter vermenschlichen. Wir spiegeln unsere Gefühle in die Maschine und wollen sie als menschlich erleben, obwohl sie das nicht sind. Noch nicht. Fühlen ist ein aktiver Vorgang genau wie lieben übrigens. Eine Leistung unseres Gehirns.

Gutmann: Während McEwans Adam gleich von Anfang an fühlt, zum Beispiel das Entfernen der Ladeschnur an seinem Nabel als schmerzhaft bezeichnet, gehen sie einen anderen Weg. Sie lassen vor dem Leser Programmzeilen ablaufen.

Levi: Genau. Ich habe früher, als noch basic programmiert wurde, ein wenig programmiert und kenne aus dieser Zeit noch die Abläufe. Ich wollte dem Leser spielerisch klar machen, was geschieht, was im Inneren der menschenähnlichen Maschine geschieht, wenn wir mit ihr kommunizieren. Zum Beispiel mit unserem sprechenden Lautsprecher, unserem intelligenten PC.

Claire: Was passiert?

Levi: Es laufen automatische Programmroutinen ab, die überhaupt nichts mit Bewusstsein zu tun haben, so wie wir es verstehen.

Claire: Das ist bei Adam anders. Mc Ewan hat ihm von Anfang an menschliche Züge gegeben,mit Bewusstsein, Zweifeln, Gefühlen und Nachdenklichkeit.

Levi: Ja, und obwohl auch Cesár mit Hilfe seines Freundes und Programmieres EVA immer weiter vervollkommnet, lernt sie doch nie fühlen. Das empfindet Cesár zwar als Manko, doch er glaubt es ignorieren zu können. Deshalb erinnert ihn EVA immer mal wieder daran.

Claire: Schön fand ich die Stelle, an der Cesár sagt, da Eva nicht lieben könne, müsse seine Liebe für zwei reichen. Das ist romantisch.

Levi: Genau, lieben ist eine Fähigkeit, die in erster Linie selbstlos ist, sein sollte. Und genauso selbstlos, wie EVA ihm dient, da sie kein Selbst hat, genauso selbstlos übernimmt Cesár ihren Part des Fühlens, um den Mangel auszugleichen. Er liebt sie richtig, wie einen Menschen und akzeptiert ihre Andersartigkeit.

Gutmann: In #Anima dreht sich alles um die Beziehungen zwischen Cesár, EVA und Cesár Freunde und Bekannte. Und natürlich um die Probleme die Cesár bekommt, als er EVA anschafft. Ist das nun eher ein Beziehungsroman oder eine Zukunftsroman?

Levi: Mich interessieren die Ursachen für die merkwürdigen Probleme, die wir mit unseren mit seinen Mitmenschen haben. Ich habe mich gefragt, weshalb ist das Zusammenleben mit anderen Menschen oft so schwer, so voller Frustration, voller Missverständnisse und vor allem so voller Bosheit? Stellen wir uns einmal vor, wie es wäre, wenn der Partner all diese Unzulänglichkeiten im Umgang nicht hätte. Aus dieser Überlegung ist die Romanfigur Eva geboren.

Claire: Ganz anders als bei McEvans Roman. Da ist es wohl reine Neugierde, als Charley sein Geld in die modernste Ausgabe des neuesten Roboters investiert.

Gutmann: Aber auch da, kommt es zu zwischenmenschlichen Komplikationen und zum Schluss wird Adam von seinem Besitzer zerstört. Aber auch bei Levis #Anima, geht es nicht gut aus.

Levi: Nicht ganz, aber das Ende verrate ich hier nicht. Nein. In der Tat gibt es reichlich Komplikationen. Die entstehen bei #Anima dadurch, dass sich die Frauen in Cesárs Umgebung missachtet und herabgesetzt fühlen und aber auch aus Eifersucht.

Claire: Auch bei Adam kommt es zu Eifersuchtsszenen, als nämlich Adam mir Charley Freundin schläft und sie dies auch noch offen zugibt.

Levi: Ein typisch männlicher Reflex. Ganz anders ist EVA. EVA beobachtet Cesárs Verhalten ganz genau, da sie schließlich soweit programmiert wird, die Reaktionen der Menschen ihrer Umgebung zu analysieren, um sie verstehen zu lernen. Sie bemerkt, dass Cesár sich hingezogen fühlt zu einer Journalistin, die ihm körperliche Wärme und menschlichen Sex geben könnte. Sie arrangiert daher, dass beide zusammen kommen, um Cesár glücklich zu sehen.

Gutmann: Beide Romane sind mit Hintergundhandlungen umwoben, die der Erzählung weiteren Schwung geben.

 

Claire: In McEwans England 1982 sind die Straßen voller selbstfahrender Autos, es gibt Smartphones, Computerarbeitsplätze. Die Beatles haben noch ein Album aufgenommen, „Love and Lemons“, mit einem Sinfonieorchester, offenbar ziemlicher Kitsch. Den Falkland-Krieg hat es verloren, und Margaret Thatcher stellt sich so ungeschickt an, wie es ihre Nachfolgerin Theresa May getan hat. Premierminister wird der Labour-Politiker Denis Healey, und der kündigt die nukleare Abrüstung an, eine Börsen-Transaktionssteuer und den Brexit ohne Referendum: „Die Entscheidung treffe allein das Parlament. Nur das Dritte Reich und andere Tyranneien machten mittels Volksabstimmungen Politik, sie würden allgemein zu nichts Gutem führen.“ So schreibt McEwan, der über den Brexit verzweifelt und in einem Interview gesagt hat, ein Parlament von Fünfjährigen hätte sich besser geschlagen als das gegenwärtige.

Es war mir es ein bisschen so, als habe McEvans eigentlich die Figur des Roboters nur als Vorwand gebraucht, um eine ironisch kritische Gesellschaftskritik zu schreiben. Man kann sich Adam aus dem Roman auch ganz wegdenken und es bliebe fast dieselbe Geschichte. Es gibt eine komplizierte Liebesgeschichte, eine missglückte Adoption einen sechsjährigen Jungen und eine vorgetäuschte Vergewaltigung durch Charlys Freundin Miranda. Die Geschichte bleibt nahezu die gleiche, nur das Adam nicht vorkäme.

Gutmann: Das klingt kritisch.

Claire: Es ist ein Gedankenexperiment und ein Unterschied zu Levis Buch. Ohne EVA wäre der Roman ohne jeglichen Inhalt. EVA ist das Zentrum des Romans, während Adam nur der Vorwand zu sein scheint.

Gutmann: Kritik klingt in Levis Roman auch durch. Allerdings nur in Bezug auf die Frauenbewegung. Sind sie ein Gegner der Frauenbewegung?

Levi: Jain. Die Feministin Franziska, die für den Roman reichlich überzeichnet wurde, um sie interessanter zu machen, die gibt eigentlich nur die Ansichten derjenigen Frauen wieder ,die sich auch heute schon gegen die Herstellung von Robotern mit weiblichem Körperformen wenden.

Ich muss allerdings gestehen, dass mir feministische Ideologien zu weit gehen, die Frauen immer und ausschließlich unter dem Aspekt der Unterdrückung, Ausbeutung und Benachteiligung sehen wollen. Das geht mir eindeutig zu weit und entspricht auch nicht meiner Lebenserfahrung.

Gutmann: Claire, wie stehen sie als Frau dazu?

Claire: Also ich will mich jetzt nicht zum Feminismus äußern, weil wir damit ein Thema aufmachen würde, das diesen Rahmen sprengen würde. Ich sehe es schon als auffällig, dass die meisten technischen Umsetzungen dieser Art weibliche Attitüden aufweisen und frage mich warum? Aber angegriffen fühle ich mich dadurch nicht. Ich möchte sogar bemerken, das Frauen meiner Ansicht nach sehr gerne mit Frauen interagieren. Deshalb ist für Frauen die Akzeptanz weiblicher Stimmen wie Siri oder des Navigationssystems viel größer, als man  vielleicht annehmen könnte. Über Sexroboterinnen kann ich nur milde lächeln.

Gutmann: Und männliche Sexroboter wie Adam?

Claire: Auch.

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